Eine Hand. Tausend Wege.
Geboren am 18. Oktober 1973. Schule, Ausbildung, Bundeswehr. Während meiner Dienstzeit war ich beurlaubt und habe für die Deutsche Flugsicherung gearbeitet. Danach wurde ich erfolgreicher Autoverkäufer — so gut, dass man mich abgeworben hat, um eine Versicherungsagentur zu führen.
Ich war jemand, der vorne stand. Der Leute mitgerissen hat, der verkaufen konnte, der Energie hatte. Ein Leben auf der Überholspur.
Am 2. November 2014 hatte ich einen schweren Motorradunfall. Einen Monat Koma. Als ich aufwachte, konnte ich nichts mehr — nicht laufen, nicht essen, nichts alleine. Ein Nerv in meiner Wirbelsäule war ausgerissen. Mein rechter Arm wird nie wieder funktionieren.
Was geblieben ist: eine Fehlhaltung im Rücken und Phantomschmerzen, die nie aufhören. Jeden Tag. Seit über elf Jahren. Damit ich das aushalte, nehme ich täglich Opiate — starke Medikamente, die zum Leben dazugehören wie das Atmen. Sie machen müde, das Aufstehen schwer, manche Tage unerträglich lang.
Wer nie dauerhaft Schmerzen hatte, kann sich das nicht vorstellen. Ich bewundere seitdem die Menschen, die aus Kriegen zurückkamen und mit Phantomschmerzen leben mussten — ohne die Möglichkeiten, die ich heute habe. Es ist eine Situation, die man niemandem wünscht.
2016 habe ich die Versicherungsagentur abgegeben. Die Performance, die ich vorher gebracht hatte, war nicht mehr möglich. Ein Kollege übernahm. Dann eine Zeit lang mit dem Reisemobil unterwegs — ein Versuch, Abstand zu gewinnen.
Irgendwann kam die Depression. Ich verstecke das nicht. Es gehört zu dem, was dieser Unfall aus einem Leben machen kann. 2023 bin ich in Behandlung gegangen. Manches wurde besser. Manches nicht. Es gibt bis heute Dinge, die ich nicht mehr kann — alltägliche Dinge, die früher selbstverständlich waren. Der Mensch, der ich vorher war, der vorne stand und andere inspirierte — den gibt es so nicht mehr.
Motorradunfall, Koma, Plexusabriss rechts. Alles auf Null.
Wieder laufen lernen. Wieder essen lernen. Alles mit einer Hand neu begreifen.
Agentur abgegeben. Reisemobil. Suche nach einem neuen Platz.
Nächte im Keller. Erster 3D-Drucker selbst gebaut. Dann der nächste. Und der nächste. Software geschrieben, Platinen verdrahtet, Raspberry Pi eingerichtet. Irgendwann auch eine CNC-Fräse konstruiert und gebaut.
In Behandlung gegangen. Nicht alles wurde gut. Aber manches wurde besser.
Viele 3D-Drucker gebaut — einige komplett, jede Schraube mit einer Hand, nach Open-Source-Vorlagen. CNC-Fräse selbst konstruiert. Websites entwickelt. IT administriert. Anderen geholfen. Alles mit einer Hand.
Viele Drucker gebaut — einige komplett selbst konstruiert, andere nach Open-Source-Vorlagen. Jede Schraube mit einer Hand. Hardware, Verkabelung, Firmware, Software eingerichtet. Andere in der Community unterstützt, weil mir das leicht fiel, was vielen schwer fällt.
Erste Fräse komplett selbst konstruiert nach Open-Source-Vorlage. Teile besorgt, geplant, zusammengebaut, Elektronik verdrahtet, Software eingerichtet. In Fusion 360 Konstruktionen erstellt — von der Idee über STEP und STL bis zum fertigen Teil.
WordPress-Websites aufgesetzt — von der Domain-Registrierung über den richtigen Hoster bis zu Plugins und Pflege. Firmen-Computer administriert, Server eingerichtet, Telefonie auf IP umgestellt mit Starlink als Internetzugang. Schnelles Internet, niedrige Kosten — statt schlechter Leitung und teurer Telekom.
Raspberry Pi, Klipper, Linux-Server, Netzwerke. Software geschrieben und angepasst, damit alles zusammenspielt. Eigener Server mit Debian, Nginx, Firewall.
Angefangen mit ChatGPT, dann Claude Code entdeckt — und zum ersten Mal hat Programmieren mit AI richtig funktioniert. Diese Seite hier? Diktiert und gebaut mit Claude. Früher HTML von Hand, dann WordPress, jetzt spreche ich und eine AI baut daraus eine Website. Die Zukunft ist da.
Ich arbeite in Teilzeit bei der SBS Containerservice GmbH — verantwortlich für die komplette EDV, die Website und das Marketing über Google Ads. Dazu unterstütze ich in der Verwaltung. Vollzeit geht nicht, die Medikamente und die Müdigkeit lassen das nicht zu. Manchmal komme ich Tage gar nicht, weil es einfach nicht geht. Weil die Nacht so schlecht war, dass der Tag nicht mehr stattfindet.
Ich bin dankbar, dass man mir diese Chance gegeben hat. Die Arbeit gibt mir einen Sinn im Alltag — vorher bin ich gar nicht mehr aufgestanden, weil ich keinen Zweck mehr gesehen habe. Dass man dort das Verständnis mitbringt für meine Einschränkungen, dass ich manchmal einfach nicht kann und mich nicht mal melden kann — das ist nicht selbstverständlich. Das würde längst nicht jeder mitmachen.
Das ist kein Heldenepos. Das ist mein Leben — so wie es jetzt ist. Mit einer Hand, mit Schmerzen, mit schweren Tagen. Aber auch mit einer Werkstatt voller Maschinen, die ich selbst gebaut habe, und einem Server im Netz, den ich selbst verwalte.
Jeden Tag ein kleiner Kampf — aber meiner.
Schreib mir gerne eine E-Mail:
Thorsten Bammann
Auf dem Wümsch 4
27419 Sittensen
Telefon: 0175 4232222
E-Mail: tb@onehandwonder.com
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